Die verschiedenen Saxophon-Typen im Überblick

Nicht jeder weiß, was es ist, doch so gut wie jeder Mensch hat es schon einmal gehört. Ursprünglich für Sinfonieorchester und Militärmusik entwickelt wurde es als genrevertretendes Instrument durch atmosphärischen Jazz, Swing, Soul, Funk und Bigband-Sound weltbekannt. Doch Saxophon ist nicht gleich Saxophon. In diesem Gastbeitrag erklären wir von einsteiger.org, welche verschiedenen Saxophon-Typen es gibt und was diese Instrumente jeweils ausmacht. Manche Bauformen eignen sich für Anfänger und manche eher für Fortgeschrittene, daher werden wir genau erklären, wovon Einsteiger eher Abstand halten sollten.

Aufbau und Bauformen des Saxophons

Erfunden wurde es Anfang des 19. Jahrhunderts vom Belgier Adolphe Sax. Obwohl das Saxophon aus Messing gefertigt wird, gehört es zur Klasse der Holzblasinstrumente. Das liegt daran, dass die Bauart und Funktionsweise einer Flöte sehr ähnlich ist. Alle Holzblasinstrumente funktionieren auf die gleiche Weise: ein langes Rohr mit vielen Tonlöchern darin. Je mehr Löcher durch die Finger bzw. Klappen abgedeckt werden, desto tiefer klingt der Ton. Manchmal erklärt man den Begriff Holzblasinstrument auch damit, dass die Tonerzeugung durch ein Rohrblatt aus Holz entsteht. Zwischen Korpus und Mundstück mit Rohrblatt befindet sich der sogenannte S-Bogen, der eine Anpassung an die Körperposition des Spielers ermöglicht. Außerdem befindet sich eine Überblasklappe (Oktavklappe) am S-Bogen, wodurch der Spieler die Möglichkeit hat, den gespielten Ton durch Betätigung einer Daumenklappe eine Oktave höher zu spielen. 

Sopransaxophon

Nicht jedes Saxophon verfügt jedoch über einen gebogenen S-Bogen. Das Sopransaxophon (gestimmt in Bb) zum Beispiel hat einen geraden S-Bogen. Klanglich ist es in sehr vielen Genres beheimatet – jedoch kaum in Sinfonieorchestern. Dort gibt es zumindest keine Festanstellung für Sopransaxophonisten, da es in Kompositionen kaum Solostellen gibt, für die sich der hohe und durchdringende Klang dieses Instruments eignen würde. 

Extrem beliebt war das Sopransaxophon hingegen im Jazz und wurde von Koryphäen wie John Coltrane oder Wayne Shorter gespielt. Für Anfänger ist dieses Instrument eher nicht geeignet. Es benötigt einen sehr starken Luftdruck zum Anblasen sowie eine sehr ausgeprägte Intonation. Noch schwieriger und höher sind die Bauformen Sopranino (gestimmt in Eb) und Soprillo (gestimmt in Bb), die in der Praxis jedoch sehr selten Verwendung finden. Zur Familie der Sopransaxophone gehören außerdem das C-Sopran (gestimmt in C) und das Mezzosopransaxophon (gestimmt in F). 

Altsaxophon

Der Klassiker der Saxophone: das Altsaxophon – gestimmt in Eb. Hier sind die Ansprache und vor allem das Gewicht deutlich leichter. Wer noch nie ein Saxophon gespielt hat, dürfte hieran also Freude finden. Auch erfahrene Jazzmusiker wie Charlie Parker oder Ornette Coleman schworen auf dieses Instrument. Wer Altsaxophon erlernt und nach Noten spielt, wird sich zu Beginn jedoch sehr wundern: Es ist ein transponierendes Instrument. Das bedeutet, dass Notierungen auf einem Notenblatt um ein bestimmtes Intervall verschoben werden müssen, da das Altsaxophon eine Sexte tiefer liegt als klassische Notierungen. Das muss den Saxophonisten aber gar nicht groß beeinträchtigen, da er auch die transponierten Noten spielen kann. Viele Saxophonisten wissen gar nicht, dass sie ein transponierendes Instrument in den Händen halten und haben es trotzdem gelernt.

Tenorsaxophon

Die nächst tiefere Bauform ist das Tenorsaxophon, dessen Tonlage stellvertretend für Jazz steht. Wie beim Altsaxophon sind hier Ansprache und Intonation viel leichter als bei tieferen und höheren Bauformen. Aufgrund des schweren Gewichts ist das Tenorsaxophon eher für Erwachsene gedacht. Ein stabiler Tragegurt zur Entlastung der Muskulatur ist hier ein Muss. Noch lebende Vertreter des Tenorsaxophons sind z.B. Wayne Shorter oder Sonny Rollins. Eine Variante des Tenor ist das sogenannte C-Melody-Saxophon, das in C gestimmt ist und somit die gleiche Stimmung wie Klavier oder Gitarre hat und auch vom gleichen Notenblatt spielen kann.

Baritonsaxophon

Achtung, es geht noch weiter. Vorweg: Je tiefer wir auf der Tonleiter hinuntergleiten, desto hochpreisiger werden die Instrumente. Hier sollten sich selbst erfahrene Saxophonisten gut überlegen, ob das Instrument für sie taugt und sich die Investition lohnt. Zunächst folgt das Baritonsaxophon, das in Eb gestimmt ist – also eine Oktave tiefer als das Alt-Saxophon. Seine imposante Bauweise benötigt viel Spielerfahrung und Kraft, da Baritonsaxophone gute 6 bis 8 Kilogramm auf die Waage bringen. Das schränkt den Spieler bei seiner Dynamik ein und verlangt viel Lungenvolumen, um vor allem im tiefen Register genügend Blasdruck aufzubauen. Aufgrund des tiefen Notenumfangs eignet es sich wunderbar für den Bigband-Einsatz, um vorhandene Blasinstrumente eine Oktave tiefer zu begleiten, was eine sehr angenehme Wärme erzeugt. Doch auch im Solo überzeugt das Instrument. Berühmte Vertreter des Baritons waren z.B. Gerry Mulligan und Pepper Adams.

Bass bis Subkontrabass Saxophon

In dieser Kategorie befinden sich drei Instrumente, eins tiefer als das andere. Wir beginnen mit dem Basssaxophon, das mit Bb eine Oktave tiefer als das Tenorsaxophon klingt. Es ist eher selten verbreitet und kommt in gängigen Bigband-Besetzungen nicht zum Einsatz. Das tiefste Saxophon in einer konventionell besetzten Bigband ist das Baritonsax. Allerdings spielen Brassbands oft mit Basssaxophon. Auch bei Filmkomponisten ist das Basssaxophon beliebt. Eine Stufe unter dem Basssax liegt das Kontrabasssaxophon, gestimmt in Eb – (nochmal eine ganze Oktave unter dem Baritonsax). Gewicht und Luftverbrauch sind hier enorm. Ende des 19. Jahrhunderts spielten viele Militärkapellen mit diesem Instrument, doch es verschwand schnell aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Allerdings gibt es heutzutage einige bekannte Spieler, die das Kontrabasssaxophon wieder ins Rampenlicht rücken wollen, z.B. Steffen Schorn aus Köln. Doch es geht noch weiter. Das Subkontrabasssaxophon liegt nochmal einen Ganzton unter dem Basssax. Damit ähnelt es mehr einer Tuba als einem Saxophon und wird von wenigen Komponisten und Musikern verwendet.

Gastbeitrag von einsteiger.org